Heute Morgen bin ich umringt von Studenten, diese haben wohl ihren Sporttag, zu Hunderten schwirren sie durch die Gegend, auch als ich den Motor starte um wegzufahren wollen sie nicht weichen, nur durch mehrmaliges Hupen kann ich endlich losfahren, keine Ahnung wieso die so begriffsstutzig sind. Es geht schon bei der ersten Kreuzung los, mein Garmin will mich zurück in die Stadt schicken, obwohl ich genau weiss, dass ich genau in die Gegenrichtung fahren muss. Da kommt mir ein Gedanke aus der Schulzeit, der handelte damals von der umgekehrten polnischen Notation die bei den Taschenrechnern von HP angewendet wurde, ob das wohl mein Navi auch anwendet, sicher ist nur, dass die falschen Richtungen hier in Polen inzwischen zur Tagesordnung gehören. Es kommt auch noch schlimmer Heute, die Tante schickt mich in gesperrte Strassen, falsche Umleitungen usw. Nur gut wenn man auch noch eine Strassenkarte dabei hat, die ist allerdings auch nicht gerade Aktuell und zudem in zwei Teilen weil sie gerissen ist, was sowieso dem besseren Format für einen Alleinfahrer entspricht. So fahre ich auf der 656 in Nordwestlicher Richtung nach Gizycko. Hier habe ich vor Jahren mal am Stadtpark übernachtet, jetzt wäre das nicht so ideal, die Strasse davor wird saniert, eine Ampel gesteuerte Durchfahrt. Immer wieder geht es durch Wälder, Moore mit abgestorbenen Bäumen und Seen vorbei, nur der Regen lässt keine Fotostopps zu. Über die 592 geht es in Richtung Ketrzyn. Hier ein paar Kilometer vorher geht es rechts ab um nach Radziele zu kommen, ich will mal sehen was aus dem Zweitwohnsitz von Adolf geworden ist, der Wolfsschanze. Doch nun gibt es eine Schranke da, der Parkplatz soll über € 10 kosten für ein WOMO, das ist mir dann doch zuviel, vor allem weil ich ja das Ganze schon zwei mal besucht habe.
Über die übelsten Strassen geht es zurück nach Ketrzyn. So komme ich auf die 592 zurück um meinen Weg nach Bartoszyce fortzusetzen. Ab hier wird es die 512 die weiter nach Westen führt, doch oh Schreck, sie ist gesperrt. Nun beginnt eine Odyssee sondergleichen, immer wieder Umleitungen, Sperrungen ausweichen auf einspurige Rüttelpisten, erst in Richtung Russischer Grenze, dann wieder zurück in die andere Richtung, Strassen die gar nicht auf meiner Karte eingezeichnet sind. Erst als ich endlich Braniewo 5 Km vor der russischen Grenze erreiche ist der Spuk vorbei. Nun ist es nur noch ein Katzensprung zu meinem heutigen Ziel, Frombork, die Stadt in der Kopernikus gewirkt hat. Beim stillgelegten Bahnhof finde ich einen schönen Platz sogar mit etwas Sicht auf die Frische Nehrung. Wie zum Hohn lese ich am Abend, dass die Gegend meiner Irrfahrten auch die Kaschubische Schweiz genannt wird, na dann mal Dankeschön. Mein leckerer Kaninchenbraten zum Abendessen, ein gutes Glas Rotwein und ein schöner Sonnenuntergang über der Frischen Nehrung heben die Stimmung gewaltig an.